Textilarbeiter in Bangladesch protestieren - gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei
In Bangladesch demonstrieren seit Tagen tausende Textilarbeiterinnen und -arbeiter für einen deutlich höheren Mindestlohn - am Montag kam es in der Hauptstadt Dhaka zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Demonstrierende blockierten im Norden eine Autobahn und zündeten mehrere Fahrzeuge an. In Mirpur löste die Polizei eine Demonstration unter Einsatz von Tränengas auf.
Bangladesch ist nach China weltweit zweitgrößter Exporteur von Kleidung, die Ausfuhren machen rund 80 Prozent der Exporteinnahmen des Landes aus. 4,5 Millionen Menschen schneidern und nähen in den Textilfabriken, die meisten von ihnen Frauen.
Aktuell bekommen sie nach Gewerkschaftsangaben einen Lohn von im Schnitt 13.000 Taka (94 Euro) monatlich. Die Arbeiter und Arbeiterinnen fordern eine Erhöhung auf etwas mehr als 30.000 Taka. Die Gewerkschaften verweisen auf stark gestiegene Lebenshaltungskosten wegen der hohen Energiepreise - die Inflationsrate im September betrug mehr als acht Prozent im Vorjahresvergleich.
Die Regierung hatte am Sonntag eine Mindestlohnkommission eingesetzt, doch das reicht den Protestierenden nicht. Unternehmensvertreter gaben an, am Sonntag hätten in mindestens 529 Textilfabriken in der Hauptstadt Dhaka und der Umgebung die Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlassen und demonstriert.
Regierungschef Tarique Rahman berief am Sonntag das Kabinett ein; Innenminister Salahuddin Ahmed sagte danach, Rahman habe die Regierungsmitglieder angewiesen, die Rechte der Beschäftigten durchzusetzen und ihren Lebensstandard zu verbessern. Er habe gleichzeitig aber betont, dass Produktion und Export ungehindert weitergehen müssten.
Der Innenminister forderte die Strafverfolgungsbehörden auf, "hart gegen diejenigen vorzugehen, die an Gewalttaten, rüpelhaftem Verhalten sowie unnötiger Disziplinlosigkeit und Unruhen beteiligt sind". Kamrul Hasan, Chef der Gewerkschaft Ekota Garments Sramik Federation, sagte AFP, einige Gewerkschaftsführer hielten sich versteckt.
L.Becker--BVZ