Selenskyj: Trump gibt grünes Licht für Herstellung von Patriot-Raketen in Ukraine
Die USA gewähren der Ukraine nach Angaben von Staatschef Wolodymyr Selenskyj die Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Luftabwehrraketen in der Ukraine. "Bei unserem letzten Treffen hat Präsident Trump mir gegenüber betont, dass er eine endgültige Entscheidung getroffen hat. Die Ukraine wird Lizenzen für die Herstellung von Patriot-Raketen erhalten", sagte Selenskyj am Freitag in einer Sprachnachricht an Journalisten. Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Wohngebäude in Kiew wurde derweil ein 14-Jähriger getötet.
Selenskyj und US-Präsident Donald Trump hatten sich am Dienstag am Rande der UN-Generaldebatte in New York getroffen. Der US-Präsident hatte Anfang Juli angekündigt, die USA würden der Ukraine "das Recht geben, Patriots herzustellen". Später äußerte er sich jedoch deutlich zurückhaltender. Ende Juli sagte er mit Blick auf die Luftabwehrraketen, die USA müssten "sehr vorsichtig sein, wenn wir jemandem erlauben, sie zu bauen".
Das Patriot-System spielt eine zentrale Rolle beim Schutz ukrainischer Städte und Infrastruktur insbesondere vor ballistischen Raketen aus Russland. Der Ukraine mangelt es sowohl an Patriot-Systemen als auch an Abwehrraketen.
Selenskyj sagte Mitte August, die Ukraine benötige fünf Prozent der Patriot-Raketen der USA, um angesichts der zunehmenden russischen Angriffe durch den bevorstehenden Winter zu kommen. Um alle von Moskaus Truppen abgefeuerten ballistischen Raketen zu zerstören, seien zehn Prozent der US-Lagerbestände nötig.
Auch wenn Kiew nun die Lizenzen für die Herstellung der Abwehrraketen erhalten sollte, würde dies den unmittelbaren Bedarf der Ukraine nicht decken. Der Aufbau der Produktionskapazitäten in der Ukraine würde nach Angaben Selenskyjs rund eineinhalb Jahre dauern. Parallel dazu arbeitet die Ukraine mit internationalen Partnern an einem eigenen Raketenabwehrsystem.
Russland hatte zuletzt seine Angriffe auf Kiew intensiviert und setzt dabei auch neue Jet-Drohnen ein, die für die ukrainische Luftabwehr schwerer abzufangen sind. Die russische Armee greift die ukrainische Hauptstadt auch vermehrt am helllichten Tag an.
Am Freitagmorgen schlug eine Drohne in einem Wohnhaus in Kiew ein. Ein 14-Jähriger wurde dabei nach Behördenangaben getötet. Selenskyj verurteilte die Attacke als "einen absolut brutalen und widerwärtigen Angriff, der jeglicher militärischen Logik entbehrt". In der Region Odessa meldeten die Behörden ein Todesopfer bei einem Luftangriff auf ein Gebäude der Post.
Russland warf der Ukraine wiederum vor, durcheinen Angriff am Freitag auf ein ziviles Fahrzeug mit humanitärer Hilfe in einer südlichen Region der besetzten Ukraine drei freiwillige Helfer getötet zu haben. Der ukrainische Angriff habe sich in der Region Saporischschja ereignet, teilten die lokalen Behörden mit.
B.Ernst--BVZ