Ausgesetzte Sperre für US-Stürmer: Fifa weist belgischen Einspruch als unzulässig zurück
Bei der Fußball-WM haben die Intervention von US-Präsident Donald Trump und die daraufhin ausgesetzte Sperre für den US-Stürmer Folarin Balogun einen Skandal ausgelöst. Trump verteidigte am Montag seinen Anruf bei Fifa-Chef Gianni Infantino, griff zugleich aber den brasilianischen Schiedsrichter Raphael Claus an. Infantino betonte die Unabhängigkeit der Fifa-Rechtsinstanzen. Der brasilianische Fußballverband wies Trumps Vorwürfe zurück, die Fifa erklärte einen Einspruch des belgischen Fußballverbands für unzulässig.
Trump bestätigte in Washington, dass er Infantino telefonisch um eine Überprüfung der roten Karte für Balogun gebeten hatte. "Ich habe um eine Überprüfung gebeten, weil ich nicht denke, dass es ein Foul war", sagte der Präsident. Trump sprach von einer "schrecklichen Entscheidung" des Schiedsrichters. Er habe dem Chef des Weltfußballverbands aber nicht gesagt, was er tun solle.
Der US-Präsident sagte zudem, ihm sei zunächst nicht bewusst gewesen, dass eine rote Karte eine Sperre für das nächste Spiel bedeute. Diese Regel sei "sehr unfair". Zugleich erklärte Trump: "Ich verstehe Sport wirklich gut."
Infantino erklärte seinerseits, er habe Trump in dem Gespräch auf die Unabhängigkeit des Fifa-Disziplinarkomitees hingewiesen. "Ich habe erklärt, dass ein laufendes rechtliches Verfahren unter Einbeziehung der unabhängigen Rechtsinstanzen der Fifa besteht und dass der Fall zu gegebener Zeit von den zuständigen Stellen entschieden wird", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme Infantinos.
Trump griff zudem den brasilianischen Schiedsrichter Claus an, der Balogun die rote Karte gezeigt hatte. Claus sei "ein bisschen verdächtig", sagte Trump. Der brasilianische Fußballverband (CBF) verteidigte den Referee. "Es gibt nichts in seiner Bilanz, das ihn diskreditiert oder irgendeinen Verdacht rechtfertigt", erklärte die CBF gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Der Verband weise jede Unterstellung zurück, welche die Integrität von Claus infrage stelle. Er sei "ein vorbildlicher Profi".
Der US-Nationalspieler Balogun war am Mittwoch im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina nach einem Tritt auf den Knöchel seines Gegenspielers Tarik Muharemovic des Feldes verwiesen worden. Eine rote Karte zieht nach den Fifa-Regeln automatisch eine Sperre von einem Spiel nach sich, ein Einspruch dagegen ist nicht möglich. Die Fifa setzte Baloguns Spielsperre jedoch am Sonntag für ein Jahr zur Bewährung aus, ohne diese Entscheidung zunächst zu erläutern.
Aufgrund der Fifa-Entscheidung konnte das US-Team das Achtelfinale gegen Belgien am Montagabend in Seattle mit Balogun bestreiten. Der 25-Jährige vom französischen Erstligaklub AS Monaco ist mit bislang drei Turniertreffern bester Torschütze seiner Mannschaft.
Der belgische Fußballverband legte Einspruch gegen die Aussetzung der Sperre ein und kritisierte, die Fifa habe "nicht die geringste Erklärung" abgegeben. Belgiens Trainer Rudi Garcia hatte gesagt, er habe zunächst an einen Aprilscherz gedacht. Die Fifa erklärte den Antrag des belgischen Verbands am Montag für unzulässig.
Der Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), Bernd Neuendorf, forderte Aufklärung. "Der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme der Politik auf den Sport gegeben hat, muss zügig und schlüssig ausgeräumt werden." Auch Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) forderte Aufklärung: "Ich finde ja, dass Politik sich raushalten sollte aus Schiedsrichterentscheidungen, aber das muss die Fifa jetzt aufklären und transparent machen, ob es da wirklich Einfluss gegeben hat."
Der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp zeigte sich fassungslos. "Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben - das ist verrückt, das stellt alles infrage", sagte Klopp MagentaTV. "Diese beiden Menschen, die beide von Fußball keine Ahnung haben, sollten gar nichts damit zu tun haben. Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel."
Der frühere Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, Hans E. Lorenz, sprach im "Kicker" von einem "fatalen Signal für die Sportgerichtsbarkeit in aller Welt". Nicholas McGeehan von der Organisation FairSquare sagte dem SID, falls das Gastgeberland politischen Einfluss auf den Fifa-Präsidenten genutzt habe, um einen unfairen Vorteil zu schaffen, wäre dies "ein skandalöser Verstoß gegen die Regeln und eine Manipulation des Wettbewerbs".
Die US-Mannschaft begrüßte die Fifa-Entscheidung. "Das gibt uns natürlich einen Schub", sagte Stürmer Christian Pulisic laut "The Athletic". "Es ist eine faire Entscheidung, denn es hätte niemals eine rote Karte geben dürfen", sagte Trainer Mauricio Pochettino.
F.Richter--BVZ