Chilenin Bachelet zieht Kandidatur als UN-Generalsekretärin zurück
Im Rennen um die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres hat die ehemalige chilenische Präsidentin Michelle Bachelet ihre Kandidatur zurückgezogen. "Einige mögen glauben, dass es nicht der richtige Zeitpunkt war für eine Kandidatur, wie ich sie vertreten wollte", sagte die 74-Jährige, die vor einigen Wochen bei einer Probeabstimmung auf dem vorletzten Platz gelandet war, am Samstag (Ortszeit) in einem Onlinevideo. Sie bedauere aber nicht, sich dieser "großen Herausforderung" gestellt zu haben.
Bachelet hatte zuvor gefordert, der UN-Generalsekretär oder die UN-Generalsekretärin müsse über die "moralische Stimme" verfügen, um führen zu können - auch unter dem Druck von Großmächten. Mit ihrer Kandidatur habe sie geholfen, die Diskussion darüber anzustoßen, "dass die nächste Generalsekretärin eine Frau aus Lateinamerika sein sollte", erklärte sie jetzt.
Amtsinhaber Guterres tritt nach zehn Jahren an der Spitze der UNO zum Jahresende ab und könnte von einer Frau aus Lateinamerika beerbt werden. Das Bewerberfeld zählte zuletzt fünf Frauen aus Lateinamerika sowie drei Männer aus Lateinamerika und Afrika.
In den bislang drei Probeabstimmungen im UN-Sicherheitsrat führte zwei Mal die ehemalige Vizepräsidentin Costa Ricas, Rebeca Grynspan, die derzeit die Welthandels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD) in Genf leitet. Die dritte Abstimmung gewann die ehemalige Außenministerin des Karibikstaates Guyana, Carolyn Rodrigues-Birkett.
Der Auswahlprozess ist mehrstufig: Die 15 Sicherheitsrats-Mitglieder stimmen hinter verschlossenen Türen so lange ab, bis eine Kandidatin oder ein Kandidat die erforderlichen neun Stimmen erhält. Der Konsens-Kandidat oder die -Kandidatin wird danach formell von der UN-Vollversammlung ernannt.
Bachelet war im Februar vom damaligen linksgerichteten chilenischen Präsidenten Gabriel Boric nominiert worden, die Regierungen von Mexiko und Brasilien unterstützten ihre Kandidatur. Der neue ultrarechte chilenische Präsident Jose Antonio Kast entzog Bachelet jedoch die Unterstützung.
Bachelet, die wegen ihres Widerstands gegen die Junta des chilenischen Diktators Augusto Pinochet gefoltert worden war, war 2006 zur ersten Präsidentin ihres Landes gewählt worden. Später übernahm sie das Amt der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. In dieser Rolle kritisierte sie unter anderem China. Die US-Regierung kritisiert Bachelet insbesondere wegen ihrer Unterstützung für das Recht auf Abtreibung. Als ständige Mitglieder des Sicherheitsrats haben beide Länder bei der Wahl ein Vetorecht.
Bislang stand noch nie eine Frau an der Spitze der Vereinten Nationen und mit dem Peruaner Javier Pérez de Cuéllar von 1982 bis 1991 erst einmal ein Lateinamerikaner. Das Amt wird nach einer ungeschriebenen Regel jedes Mal rotierend an eine andere geografische Region vergeben, dieses Mal wäre nach dem Portugiesen Guterres Lateinamerika an der Reihe.
P.Baumann--BVZ