Widerstandskämpfer Marc Bloch wird ins Pariser Panthéon aufgenommen
Der im Zweiten Weltkrieg von der Gestapo erschossene französische Historiker und Widerstandskämpfer Marc Bloch hat einen Platz im Pariser Panthéon bekommen. Bei der Gedenkfeier am Dienstagabend in Paris wurden zwei symbolische Särge des Geehrten und seiner Frau Simonne Vidal in einer feierlichen Prozession zum Panthéon gebracht. Die frühere Kirche in fünften Pariser Stadtbezirk dient als Ruhmeshalle der Nation.
Es handelt sich nicht um eine echte Umbettung, Bloch bleibt weiter in seinem Heimatdorf in Zentralfrankreich bestattet. In den Särgen befinden sich lediglich einige persönliche Gegenstände, darunter Briefe und Fotos.
Bloch stammte aus einer jüdischen Familie aus dem Elsass und hatte von 1919 bis 1936 mittelalterliche Geschichte an der Universität Straßburg gelehrt. Er begründete eine Fachzeitschrift für Historiker und galt als Experte für das Mittelalter. Während des Zweiten Weltkriegs schloss er sich dem Widerstand gegen die deutschen Besatzer an. 1944 wurde er in Lyon von der Gestapo festgenommen, gefoltert und mit 29 seiner Kameraden erschossen.
"Bloch knüpft an das Erbe der Aufklärung an, an eine Art, den Menschen zu begreifen, die nicht von einem Rückzug auf die eigene Identität, sondern von Offenheit für andere geprägt ist", hieß es in einer Mitteilung des Elysée-Palastes.
Staatschef Emmanuel Macron hatte Blochs Aufnahme in das Pariser Panthéon Ende 2024 zum 80. Jahrestag der Befreiung Straßburgs von der NS-Herrschaft in Aussicht gestellt. Bloch solle "für sein Lebenswerk, seine Lehre und seinen Mut" geehrt werden, hatte Macron betont. In Berlin ist ein deutsch-französisches Forschungszentrum für Sozial- und Geisteswissenschaften nach Marc Bloch benannt. Er ist der erste Historiker, der in das Panthéon aufgenommen wird.
Blochs Familie hatte darum gebeten, dass zu der Gedenkfeier keine Vertreter der Rechtsaußenparteien eingeladen werden sollten. Deren Programm stehe im Widerspruch zu Blochs Haltung. "Und dennoch zitiert die extreme Rechte ihn ständig, das verärgert uns sehr", beklagte sein Urenkel Matis Bloch im Gespräch mit dem Sender France Info.
Eine Aufnahme ins Panthéon ist in Frankreich immer auch eine hochpolitische Angelegenheit; Macron hat bereits sechsmal historische Persönlichkeiten in die nationale Ruhmeshalle aufnehmen lassen, unter ihnen etwa die Politikerin und Auschwitz-Überlebende Simone Veil, der Schriftsteller Maurice Genevoix und die Sängerin und Tänzerin Josephine Baker.
N.Brandt--BVZ