Tilly zu Moskauer Urteil: Das ist "zusätzliche Motivation"
Der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly hat gelassen auf seine Verurteilung in Abwesenheit durch ein russisches Gericht reagiert. "Solange das Grundgesetz hier in Deutschland gültig ist und ich nicht in Länder reise, wo es wirklich gefährlich werden kann, solange trifft mich das Urteil eigentlich nicht", sagte Tilly am Donnerstag dem Sender Phoenix. Das Urteil von achteinhalb Jahren Haft sei im Gegenteil auch "eine kleine zusätzliche Motivation".
Denn es zeige: "Satire tut weh, meine Arbeit wirkt." Das Urteil müsse hingenommen und akzeptiert werden. Der Bildhauer schränkte zugleich ein: "Innerlich akzeptiere ich es natürlich nicht, weil Russland nun mal kein Rechtsstaat ist und weil das ganze ein Farce ist."
Tilly kündigte an, seine Arbeit genauso wie vorher fortzuführen und auch in derselben Weise zu leben. Aus der Politik habe er "sehr viel Rückenwind bekommen", betonte der Künstler. Er sei auch im engen Kontakt mit der Botschaft in Moskau und rede mit dem Verfassungsschutz und dem Staatsschutz: "Ich fühle mich da auf jeden Fall gut aufgehoben und einigermaßen sicher hier."
Tilly ist Chef-Wagenbauer des Düsseldorfer Rosenmontagszugs und bekannt für politisch freche Wagen. Seit Jahren schon nimmt Tilly insbesondere den russischen Präsidenten Wladimir Putin und dessen aggressive Politik aufs Korn. Im vergangenen Jahr hatte ein russisches Gericht ein Strafverfahren gegen Tilly eingeleitet, dieses verurteilte ihn nun in Moskau zu achteinhalb Jahren Haft.
Deutsche Politikerinnen und Politiker kritisierten das Urteil scharf. "Es handelt sich um ein klar politisch motiviertes Verfahren mit der zu erwartenden Verurteilung", sagte die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Serap Güler (CDU), der "Rheinischen Post". "Wir verurteilen die Kriminalisierung von Kunst und Satire auf das Schärfste."
"Das zeigt einmal mehr, dass Diktaturen Kunst und Kultur fürchten und deshalb die Meinungsfreiheit einschränken", kritisierte SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner in der Zeitung. Es sei "zugleich eine Mahnung, dass wir diese Freiheiten verteidigen sollten".
Von einem "Schauprozess" sprach Linken-Bundesgeschäftsführer Janis Ehling. Die russische Justiz wolle damit klarstellen, dass sie ihre Kritiker auch im Ausland beobachtet und dann zu Hause strafrechtlich belangt.
Y.Zimmermann--BVZ