El Niño: Appell der Vereinten Nationen zu gemeinsamen Schutzvorkehrungen
Wegen einer beispiellosen Intensität des gegenwärtigen Klimaphänomens El Niño haben die Vereinten Nationen zu gemeinsamen Schutzvorkehrungen für die am stärksten betroffenen Menschen aufgerufen. "Heute richten wir einen gemeinsamen Appell an die internationale Gemeinschaft, dringend und koordiniert vorausschauend zu handeln", erklärte die Generalsekretärin der Weltmeteorologieorganisation (WMO), Celeste Saulo, am Mittwoch in Genf. "Wir können El Niño nicht aufhalten, aber wir können viele seiner schlimmsten Folgen für die Menschen verhindern."
UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher rief Staaten, Entwicklungsbanken und internationale Finanzinstitute auf, "Finanzierungen unter diesem Gesichtspunkt freizugeben, bevor die Schäden eintreten und nicht danach".
Laut WMO-Chefin Saulo könnte der gegenwärtige El Niño "eine nie da gewesene Intensität" erreichen und dabei "wortwörtlich die Messskalen überschreiten, die wir seit vier Jahrzehnten verwenden".
Bei dem natürlich auftretenden Klimaphänomen erwärmt sich die Wasseroberfläche im östlichen und zentralen Pazifik nahe des Äquators, was weltweit Auswirkungen auf Wind, Luftdruck und Niederschläge hat. In der Folge steigt das Risiko für Wetterextreme.
Üblicherweise tritt das Phänomen El Niño alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert zwischen neun und zwölf Monate an. In Kombination drohen der menschengemachte Klimawandel und El Niño Experten zufolge 2027 zum weltweit heißesten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen zu machen.
Im zentralen und östlichen Pazifik nahe des Äquators, der Kernregion eines El Niño, stieg die Temperatur der Meeresoberfläche im Zuge des aktuellen El Niño laut WMO-Angaben vom Monatsbeginn von 1,6 Grad über dem Normalwert im Juni auf 2,5 Grad über dem Normalwert im August. Für Oktober, November und Dezember wird dort mit einer Meeresoberflächentemperatur von fast 3,7 Grad über dem Normalwert gerechnet. Seit Beginn der Messungen lag der Rekord bei 2,6 Grad in den Jahren 2015/2016.
Der gegenwärtige El Niño trifft einige Erdregionen bereits hart, darunter Zentralamerika, wo Tiere und Ernten wegen der Dürre zugrunde gehen. Seinen Höhepunkt erreicht ein El Niño in der Regel zwischen November und Februar, der daraus resultierende Temperaturanstieg macht sich typischerweise aber erst später bemerkbar.
D.Lang--BVZ