Nato startet Arktis-Mission "Arctic Sentry" - Deutschland kündigt Beitrag an
Nach der vorläufigen Beilegung des Streits um Grönland und die Sicherheit in der Arktis hat die Nato ihre Mission "Arctic Sentry" gestartet. Es sei das erste Mal, dass alle Aktivitäten der Nato und ihrer Mitglieder im Arktisgebiet "unter einem Kommando zusammengeführt" würden, sagte Nato-Generalsekretär Mark Rutte am Mittwoch in Brüssel. Die Bundesregierung kündigte an, Deutschland werde sich bei der Mission "einbringen", konnte aber noch keine konkreten Angaben machen.
Die Nato werde durch "Arctic Sentry" in der Lage sein, "eine größere Wirkung zu erzielen", argumentierte Rutte. Zudem könne so festgestellt werden, "wo es noch Lücken gibt, die wir schließen müssen".
Die Mission folgt Forderungen von US-Präsident Donald Trump, die Arktis vor russischem und chinesischem Einfluss zu schützen. Durch neu eröffnete Seewege infolge des Klimawandels ist das geostrategische Interesse an der Arktis von Seiten der USA, Chinas und Russlands deutlich gewachsen. Zudem lagern in der Region wertvolle Rohstoffe.
Die Mission werde "die Stärke der Nato" nutzen, um sicherzustellen, "dass die Arktis und der Hohe Norden sicher bleiben", erklärte der Oberbefehlshaber der Nato-Truppen in Europa, US-General Alexus Grynkewich.
Die neue Mission soll nach Angaben des Oberkommandos der Alliierten Streitkräfte in Europa (Shape) die Aktivitäten der Nato-Mitglieder in der Region bündeln und damit "die Präsenz der Nato dort stärken". Geführt wird "Arctic Sentry" (Wächter der Arktis) vom für den Norden zuständigen Nato-Kommando in Norfolk im US-Bundesstaat Virginia.
Die Mission unterstreiche das Engagement des Bündnisses, "die Stabilität in einer der strategisch bedeutendsten und zugleich schwierigsten Umgebungen der Welt zu wahren", erläuterte Grynkewich.
Trump hatte seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus im vergangenen Jahr immer wieder Besitzansprüche auf Grönland erhoben, die er mit US-Sicherheitsinteressen in der Arktis begründete. Die dabei ausgesprochene Drohung militärischer Gewalt nahm er im vergangenen Monat nach einem Gespräch mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte zurück. Rutte kündigte ebenso wie die EU und einzelne EU-Länder ein stärkeres Engagement in der Arktis an.
Ein hochrangiger Nato-Militär sagte, bei "Arctic Sentry" gehe es "nicht nur um Grönland" sonder um die "gesamte Region". Die Nato verwies auf bestehende Arktis-Manöver Dänemarks und Norwegens, auf die die Mission sich stützen werde.
Dänemark kündigte an, es werde "wesentlich" zu der Mission beitragen. "Wir werden das Tempo beibehalten, um sicherzustellen, dass die Arktis langfristig in den Planungen und Übungsaktivitäten der Nato berücksichtigt wird", erläuterte der dänische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen.
Die Bundesregierung bat unterdessen um "noch etwas Geduld" in Bezug auf den deutschen Beitrag zu "Arctic Sentry". Dieser werde sich daran orientieren, was benötigt werde, "für dieses Lagebild, für die Wirkung in der Region", sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin. In den nächsten Tagen würden in Brüssel "weitere Abstimmungen stattfinden".
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) reiste am Mittwoch in die belgische Hauptstadt, um dort zunächst am Treffen der EU-Verteidigungsminister teilzunehmen. Am Donnerstag folgt dann das Treffen der Nato-Verteidigungsminister.
N.Schreiber--BVZ